Ortsgeschichte 1965 bis 1989 - 7. Schule

7. Schule

(Erinnerungen von U. Waldheim)

Von 1970-1980 besuchte ich die Schule in Sundhausen. Der Unterricht der Klassen 1 bis 4 fand im ehemaligen „Jugendheim“ am Kesselweg (jetzt Sitz der DRK-Rettungswache) statt. Dort befanden sich auch Horträume, in denen die Schüler bei Bedarf nach dem Unterricht betreut wurden. Die Lehrerfamilien Liebermann und Hering wohnten im Dachgeschoss des Jugendheims. Die Klassenräume hatten damals noch Ofenheizung. Ein Schüler hatte im Winter immer „Ofendienst“ und war für Kohlen holen, Heizen und Asche entsorgen zuständig. Die wenigen Schüler aus dem kleinen Nachbarort Steinbrücken gingen gemeinsam mit uns in Sundhausen zur Schule. 

Der Schulunterricht ab Klassenstufe 5 fand im alten Schulgebäude in der Schulstraße statt. Zusätzlich wurde zeitweise noch der Kulturraum des VEG in der Uthleber Straße für den Unterricht genutzt. Dort war ein Klassenraum eingerichtet, die Lehrer mussten somit in den Pausen immer zwischen Uthleber Straße und der Schule wechseln. Das brachte natürlich mit sich, dass wir Schüler dann zeitweilig ohne Aufsicht waren und allerlei Streiche verüben konnten. Einmal versteckten wir uns alle gemeinsam auf der Mädchentoilette. Als der Russischlehrer eintraf, war der Klassenraum leer, es war kein Schüler weit und breit zu sehen. Es dauerte ein Weilchen, ehe er uns in unserem Versteck fand. So war die Unterrichtsstunde für uns dann etwas kürzer.

Der Sportunterricht fand im Sommer und bei gutem Wetter auf dem Sportplatz statt. Im Winter oder bei schlechtem Wetter wurde der Saal der Gaststätte „Treffpunkt“ (ehemals Angelstein) oder der Saal der Gaststätte Schmidt genutzt.

Ab 1976 fand der Unterricht für alle Klassenstufen nur noch in der Schulstraße statt. Die alte Schule war durch einen großen, modernen Anbau mit neuen Klassenräumen, Fachräumen für Physik, Biologie und Chemie und großem Speiseraum im Keller erweitert worden. Auch Sekretariat, Lehrerzimmer und Toiletten waren auf modernstem Stand der damaligen Zeit. 

Das preiswerte Mittagessen wurde im VEG Sundhausen gekocht, in Thermobehältern zur Schule gefahren und dort ausgegeben, so dass jeder Schüler ein warmes und preiswertes Essen erhalten konnte.

Neben der Schule entstanden das zugehörige Heizhaus (zentrale Warmwasserheizung mit Kohlenbefeuerung), eine moderne Turnhalle mit Umkleideräumen und sanitären Einrichtungen sowie ein Schulgarten.

Der Schulkomplex nach seiner FertigstellungNun wurden zusätzlich die Schüler aus Uthleben und Bielen bei uns in Sundhausen unterrichtet. Neue Lehrer kamen aus diesen Orten und aus Nordhausen hinzu. Die Klassen wurden mehrfach aufgeteilt, was oft zu Verdruss führte. Als aus anfangs drei Parallelklassen zwei wurden, führte das u.a. dazu, dass in einer Klasse 32 Schüler, aber nur 30 Sitzplätze pro Klassenraum vorhanden waren. Das gab dann manchmal Streit und Rangeleien - wer übrig blieb, musste sich erst einen Stuhl aus einem anderen Raum besorgen. Diese etwas unglückliche Aufteilung wurde später wieder rückgängig gemacht, wodurch die Schülerzahl pro Klasse wieder auf ein auch für die Lehrer erträgliches Maß von ca. je 20 Schülern sank. Die Schule bekam den Namen POS „Erich Weinert“. Das Kürzel „POS“ bezeichnete die zehnklassige Polytechnische Oberschule. Erich Weinert (* 4. August 1890 in Magdeburg ; † 20. April 1953 in Berlin ) war ein deutscher Schriftsteller und ab 1943 Präsident des Nationalkomitees Freies Deutschland .

Neben Deutsch, Heimatkunde (bis 4.Klasse) bzw. Geographie (ab 5. Klasse), Geschichte, den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Physik, Biologie und Chemie, gab es weiterhin Unterricht in Zeichnen, Sport, Musik und Staatsbürgerkunde. Daneben wurden wir in 2 Fremdsprachen unterrichtet: Russisch ab 6. Klasse sowie wahlweise Englisch oder Französisch ab 8. Klasse. Es gab aber auch zeitweise die Unterrichtsfächer Astronomie, Handarbeit und Schulgarten, die nur in ein oder zwei Klassenstufen unterrichtet wurden.

Interessant waren auch die sogenannten „Kopfnoten“: Hier wurden Fleiß, Mitarbeit, Ordnung und Betragen bewertet und benotet.

In den späten 80ern kam der Wehrkundeunterricht dazu, der nur stundenweise mit 8 Doppelstunden pro Jahr ab 8. Klasse für die Jungs abgehalten wurde und zur Nachwuchsgewinnung für spätere Berufssoldaten der NVA dienen sollte. Lehrkräfte waren externe aktive oder ehemalige Offiziere, Schulnoten gab es dafür nicht. Die Mädchen hatten in dieser Zeit Unterricht in Zivilverteidigung, u.a. erste Hilfe usw. Der Wehrkundeunterricht war allerdings aus Schülersicht meist recht unbeliebt. 

SchulzeugnisZur Vorbereitung auf die spätere Berufsausbildung gab es in den oberen Klassen die Unterrichtsfächer ESP („Einführung in die sozialistische Produktion“), gekoppelt mit TZ („Technisches Zeichnen“) und PA („Produktive Arbeit“). Dieser praxisnahe Unterricht fand im Betonwerk Heringen statt. Der Transfer von der Schule zum Betonwerk und zurück erfolgte mit Bussen. PA war aber nicht immer so beliebt. Manchmal „durfte“ man stundenlang Metallteile feilen oder im Produktionsbereich stählerne Bewehrungsmatten mit Zange und Bindedraht zusammenflechten. Dennoch war dies eine recht sinnvolle Ergänzung des normalen Schulunterrichts. Wir konnten uns neben theoretischem Wissen viele handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen, die sich später im Beruf oder Privatleben als nützlich erwiesen.

Ab Klassenstufe 9 konnten gute Schüler nach Nordhausen an die EOS wechseln (EOS = Erweiterte Oberschule, 9.-12. Klassen, Abschluss mit Abitur).